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Michael Haneke – Mein Leben

24. Oktober 2009, 17.20 Uhr, ARTE

Eine Dokumentation von Felix von Boehm und Gero von Boehm

Michael Haneke wurde bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme für seinen Film „Das Weiße Band“ ausgezeichnet.

Das Porträt „Michael Haneke – Mein Leben“ will dem Geheimnis und den Obsessionen dieses Mannes auf die Spur kommen und dazu sein Leben nachzeichnen. Wie kommt ein höchst humorvoller, toleranter, menschenfreundlicher und weltoffener Filmemacher dazu, derart düstere Filme zu drehen? In den Gesprächen und Beobachtungen wird dieser Kontrast immer wieder deutlich und der Zuschauer kann die Lösung des Geheimnisses (der Moralist und einer, der das Gefühl der Angst sehr gut kennt, entpuppt sich im Lauf des Films) miterleben.

Wir beobachten Haneke beim Drehen, bei der Tonbearbeitung und beim Erkunden seiner eigenen Vergangenheit, den Schauplätzen seiner Jugend. Juliette Binoche, Isabelle Huppert und Susanne Lothar sprechen über ihre Arbeit mit dem Filmemacher.

Wir begleiten den Regisseur Haneke nach Wien, wo seine Mutter einst am Burgtheater brillierte und sprechen mit ihm über das Großwerden ohne Vater, die Erziehung im Wandel der Postmoderne und über den großen Themenkomplex Jugend, dem er sich in seinen Filmen immer wieder widmet (v.a. „Benny’s Video“, „Funny Games“, „Das weiße Band“). Wir entdecken mit Haneke das Konzerthaus Wien – Drehort seiner „Klavierspielerin“ – und die bourgeoise Nachbarschaft im Wiener Ersten Bezirk und sprechen mit ihm über jenes Milieu, dem er selbst angehört, das er im Film jedoch immer wieder an seine Grenzen und bis zur Zerstörung treibt.

Und wir sind dabei, wenn Haneke im Brandenburger Spreewald die Winterszenen für seinen neuen Kinofilm dreht, beobachten in Paris die Fertigstellung des gleichen Films, um den Regisseur schließlich zum Filmfestival von Cannes zu begleiten, wo „Das weiße Band“ im Wettbewerb läuft.

„Das Weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“ ist der 22. Spielfilm des 67jährigen und erzählt von einer Generation kurz vor dem Ersten Weltkrieg im protestantischen Norden Deutschlands. Einer Generation, von der die Zuschauer wissen, dass sie Zeit ihres Lebens noch zwei Weltkriege erleben werden. Der aufkeimende Nationalsozialismus stellt so im Film auch einen Leitfaden dar, so Produzent Veit Heiduschka von Wega-Film. Denn die Hauptfiguren stammen alle aus dem dörflichen, preußischen Milieu, die Geschichte dreht sich um den vom Dorflehrer geleiteten Schul- und Kirchenchor. Dieser setzt sich aus Kindern und Jugendlichen zusammen, deren Familien sowohl Gutsherren sind, aber auch Pfarrer, Hebamme, Bauern. Als sich plötzlich seltsame Unfälle im Dorf ereignen, die den Charakter ritueller Bestrafungen annehmen, muss schnell ein Sündenbock gefunden werden.

Neben zahlreichen Filmausschnitten, fügen sich auch „Making Ofs“ und private Fotos aus der Kinder- und Jugendzeit des Regisseurs in die Struktur des Films ein. So entsteht eine Nahaufnahme, ein intensives und aufregendes Portrait eines Regie-Stars, der sich bisher allen Versuchen, sein Leben abzubilden, verweigert hat.