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Zeugen des Jahrhunderts

interscience film im Auftrag des ZDF
15. November 2015, 00.20 Uhr, ZDF

Hans Magnus Enzensberger im Gespräch mit Gero von Boehm.

Hans Magnus Enzensberger gehört zu Deutschlands führenden Denkern. Im Gespräch mit dem Publizisten Gero von Boehm blickt er auf über acht Jahrzehnte eines bewegten Lebens zurück. Mit Essays und Gedichten hat sich Hans Magnus Enzensberger schon in den jungen Jahren der alten Bundesrepublik gern immer wieder streitbar zu Wort gemeldet. Seine Glaubwürdigkeit und moralische Integrität blieb dabei stets gewahrt. In jungen Jahren hatte ihn sein bürgerliches Elternhaus vor den Anfechtungen des Nationalsozialismus bewahrt. Selbst der Hitlerjugend konnte er sich entziehen. Zeit seines Lebens waren ihm Massen und Massenbewegungen unheimlich. Als Redner einer Kundgebung gegen die damaligen Notstandsgesetze 1965 hat er am eigenen Leib erfahren, wie es ist, 20 000 Zuhörer zu mobilisieren: „Manche Politiker lieben das ja. Die können eine Masse kneten. Mir hat das überhaupt nicht gepasst. Ich sage, da gehe ich nie wieder hin, ich gehe nie wieder an so ein Rednerpult.“ Seine Lebenserfahrung, seine Biografie haben ihn vorsichtig werden lassen. Überall in den politischen Entwicklungen ist er dabei, doch er hält Distanz. „Die Ethnologen haben diesen Begriff der teilnehmenden Beobachtung, das finde ich eigentlich gar nicht so schlecht.“ Und bereut er etwas in seinem Leben? „Nein“, antwortet Hans Magnus Enzensberger, „wir sind ja nicht im Beichtstuhl hier.“