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Islamismus – Schicksalsfrage für Europa?

24.01.2008, 23.15, ARTE

Moderation: Thea Dorn
Leitung der Sendung: Christian Popp
Regie: Markus Hilß

Die massive Migration der Muslime nach Westeuropa ist eine Herausforderung für den gesamten Kontinent und seine Kultur. Schon jetzt sind nach einer Schätzung 15 Prozent der französischen Bürger zwischen 16 und 25 Jahren Muslime, Tendenz steigend. Der Islam ist in manchen Ländern dabei, die zweite Religion zu werden. Radikale islamistische Strömungen bleiben dabei nicht aus. Moderate muslimische Gemeinden sollen radikalisiert werden und am Ende steht in der Vorstellung der Fundamentalisten, den ganzen „Kontinent der Ungläubigen“ unter das Gesetz des Propheten zu stellen. Solche Tendenzen, geschürt von einer radikalen Minderheit, führen zu Hysterie und Missverständnissen bei Nicht-Muslimen, aber auch bei moderaten Islamanhängern selbst. Die Fronten verhärten sich, es herrscht Ratlosigkeit. Schon Voltaire, einer der Urväter der Aufklärung fragte: „Was sollte man einem Menschen antworten, der einem sagt, er gehorche lieber Gott als den Menschen, und der infolgedessen sicher ist, den Himmel zu verdienen, wenn er einen erdrosselt?“ Islamismus versus Aufklärung? Als Antwort und Gegenmodell zu den radikalen Tendenzen des Islam bildet sich in Europa ein „Fundamentalismus der Aufklärung“. PARIS-BERLIN will mit Thea Dorn und ihren hochkarätigen Gästen die Fronten klären und nach Lösungsansätzen suchen.
Können die europäischen Gesellschaften ihre muslimischen Bürger wirksam integrieren? Wie schützen sie sich vor dem Islamismus und seinen in letzter Konsequenz terroristischen Auswirkungen? Führt die Europäisierung des Islam zu einer entscheidenden Modernisierung von exemplarischer Bedeutung für den Rest der Welt? Oder bietet sie im Gegenteil islamistischen Kämpfern das Basislager für ihre Ausbreitung auf europäischem Boden? Ist also der „Euro-Islam“ als Brücke zwischen zwei Kulturen geeignet, als eine Art Impfung gegen den religiösen Extremismus? Und wie säkularisiert ist der Westen tatsächlich? Inwiefern beruhen politische Diskurse auch in der westlichen Welt auf religiösen, sprich christlichen, Werten? Auf welcher Basis können Islam und Westen sich überhaupt begegnen und einen gemeinsamen Weg für die Zukunft finden? Der Islam, so sagen immer mehr Muslime, muss keineswegs mit einem demokratischen Europa in Konflikt geraten. Schon gibt es die These, dass mehr muslimische Europäer zu einer Verringerung der terroristischen Gefahr führen könnten.

Gäste: Seyran Ates, Mahnaz Shirali, Bassam Tibi, Hans-Peter Raddatz.