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Henry Miller - Prophet der Lüste

interscience film im Auftrag von SWR in Kooperation mit ARTE
25. Januar 2017, 21.45 Uhr, arte

Ein Film von Gero von Boehm

Von vielen Puritanern in den USA wird er immer noch verteufelt, obwohl er einen wichtigen Beitrag zur amerikanischen Literatur geleistet hat. Immer wieder und mit Wonne verletzte er sexuelle Tabus und spielte gern den Bürgerschreck. Doch wer war Henry Miller wirklich? Am 26. Dezember 2016 wäre er 125 Jahre alt geworden.

Viele Freunde erinnern sich gern an den begnadeten Erzähler - dem Sohn war er ein unerschöpfliches Reservoir an Geschichten. So manchem Weggefährten erschien er gar als eine Art Guru, der Rat in allen Lebenslagen geben konnte. Berühmt waren seine Abendgesellschaften, die er komplett selbst unterhalten konnte, bei denen aber auch immer interessante Künstler und Schriftsteller zu treffen waren.

Dies alles, auch den schlechten Ruf, hatte er sich hart erarbeitet. Künstler wurde er während eines langjährigen Aufenthalts in Paris, wo er von der Hand in den Mund lebte und existentielle Erfahrungen machte. Henry Miller lernte in Paris auch seine Muse, die Schriftstellerin Anaïs Nin kennen. Sie förderte ihn finanziell und pflegte eine erotische Beziehung zu Miller.

Als er in die USA zurück kehrte, fand er in einer abgelegenen Hütte in Big Sur eine Bleibe. Seine Geburtsstadt New York mied er wenn möglich. Hier war Henry (eigentlich „Heinrich“ getauft) im deutsch geprägten Milieu des Stadtteils Yorkville aufgewachsen. Strenge und Disziplin standen im Vordergrund – auch ein Grund, warum er später zum Rebellen wurde. Seine Bücher konnte er zunächst nur in Frankreich veröffentlichen. Bis er eines seiner Hauptwerke, Wendekreis des Krebses, in den USA publiziert werden durfte, vergingen knapp 30 Jahre. Oftmals konnte er sich nur durch den Verkauf seiner Wasserfarben-Bilder über Wasser halten. Nie fand er die Gefährtin seines Lebens, auch in fünf Ehen nicht. „Er jagte einem unerreichbaren Ideal nach“, sagt Millers Biograph Arthur Hoyle. Noch als alter Mann umgab er sich gern mit schönen Frauen.

In der Dokumentation kommen Weggefährten wie der Filmemacher Tom Schiller zu Wort - er verehrt Miller heute noch als Vorbild. Die feministische Schriftstellerin Erica Jong war und ist bezaubert von Henry Millers Persönlichkeit und seiner unkonventionellen, sehr menschlichen Art. Sein Sohn Tony Miller erzählt von der wunderschönen Kindheit am Big Sur und von den letzten Jahren des Vaters . Der Biograph Arthur Hoyle erklärt Werk und Charakter eines unbeugsamen Künstlers.  Georg Stefan Troller, der Miller mehrfach traf, kann ihn gut in das europäische Kulturleben einordnen. Von Henry Millers Lebensende berichtet seine enge Freundin Barbara Kraft.

Zusammen mit vielen Filmausschnitten, die Henry Miller selbst zeigen, ergibt sich ein faszinierendes Porträt des amerikanischen Bürgerschrecks, dessen Ansichten heute noch aktuell sind.