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Gero von Boehm begegnet… Karl Lagerfeld

12.09.2005, 22.25, 3sat

Er ist der unumstrittene Kaiser der Mode und des Stils. Aber als seine wichtigste Erfindung bezeichnet er sich selbst : „Es hat mir Spaß gemacht, mich selbst zu manipulieren und schließlich zu meiner eigenen Karikatur zu werden“, sagt Karl Lagerfeld. Heute sieht er sich als Kunstfigur, die in keine Kategorie, zu keiner Generation gehört. Sein bestgehütetes Geheimnis heißt : Karl Lagerfeld. Nur wenig ist darüber bekannt, wie der Mann mit der dunklen Brille wirklich lebt, was ihn geprägt hat und welches seine wahren Obsessionen sind.

Noch nie hat er sich so geöffnet wie im Gespräch mit Gero von Boehm, der Lagerfeld in Paris begegnet – an einem riesigen Zeichentisch und in seiner Buchhandlung , in der der ausgewiesene Büchernarr verkauft, was er wirklich liebt. Auch wenn er immer wieder behauptet, nur die Zukunft interessiere ihn, hat Karl Lagerfeld doch tiefe Wurzeln in der Vergangenheit. Der in Hamburg geborene und in der Nähe von Lübeck aufgewachsene Designer stammt aus jener großbürgerlichen Welt, wie sie Thomas Mann in seinen Romanen beschrieben hat. Mit acht Jahren las Lagerfeld denn auch bereits „Buddenbrooks“. Sein Vater machte sein Vermögen mit „Glücksklee“-Dosenmilch, seine Mutter war eine scharfzüngige Gesellschaftsdame, die ihren Sohn tief prägte. Der hatte mit vier Jahren lesen gelernt, weil die Charaktere aus den „Nibelungen“ ihn faszinierten. Vor allem die rachsüchtige Kriemhild, mit der er sich bis heute identifiziert, weshalb nicht nur die Pariser Modeszene vor ihm zittert. Inzwischen interessiert ihn die Stadt an der Seine nur noch bedingt. Es zieht ihn nach New York, wo er sich gerade eine Wohnung einrichtet. Mit Gero von Boehm spricht Lagerfeld auch offen über die wilden siebziger Jahre und seine Beziehung zu Jacques de Bascher, seinem Freund, der an Aids starb. „Ich bewundere Leute, die den Mut haben, sich selbst zu zerstören. Sie sind das genaue Gegenteil von mir.“, sagt er.