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Gero von Boehm begegnet… Herlinde Koelbl

06.07.2009, 22.25, 3sat

Zwischen Schein und Sein vorzustoßen, ist der Anspruch, den Herlinde Koelbl an ihre Arbeit hat. Sie will nah am Menschen sein und sie schätzt das Spiel zwischen Fotograf und Fotografiertem. Mehr durch Zufall kam die gelernte Modedesignerin zu ihrem Beruf. Ein Freund schenkte ihr Mitte der 1970er Jahre Triple-X-Filme und sie machte mit der Kamera ihres Mannes Porträts ihrer vier Kinder. Dann lernte sie, wie man Bilder entwickelt und kam als Autodidaktin mehr und mehr zu einer eigenen Handschrift.
Ihre Karriere als freie Fotografin startete sie zunächst bei Lokalzeitungen. Nach einer Serie über besondere Märkte in Bayern, erhielt sie Aufträge von renommierten Zeitschriften und Ausstellungen im In- und Ausland. Aus dem Auftrag, Frauen in Deutschland zu porträtieren, entwickelte sie 1980 ein eigenes Projekt: „Das deutsche Wohnzimmer“. Diese vielschichtige Gesellschaftsstudie wurde als Buch wie auch als Ausstellung ein großer Erfolg. 1984 widmete sie sich mit erotischen Porträts den Männern und für „Starke Frauen“ zeigte sie weibliche Akte in Rubensformat.
Vier Jahre lang reiste sie immer wieder in alle Welt für ihre jüdischen Porträts, zu Begegnungen mit Überlebenden des Holocaust. Acht Jahre dauerte ihre Untersuchung in den Topetagen von Wirtschaft, Medien und Politik für „Spuren der Macht“. Neben Buch und Ausstellung drehte sie ihre Interviews auf Video und erhielt für diese Fernsehfilme eine Goldene Kamera. Sechs Jahre war sie auf vier Kontinenten unterwegs, um Menschen mit besonderen Haaren zu suchen und zu fotografieren.
„Meinen Horizont zu erweitern und darüber hinaus mit jedem Thema sozusagen ein geistiges Abenteuer zu beginnen – mit offenem Ende“, dafür sei sie sehr dankbar sagt die Künstlerin, die schon lange als „Fotografin mit der scharfen Linse“ zur Elite ihres Berufsstandes gehört.
Ihre Bilder sind intensive Erlebnisse, weil sie aus einem wirklichen Interesse und einer Neugier für das Gegenüber entstehen und der Respekt vor dem Leben der Anderen immer spürbar bleibt.