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Gero von Boehm begegnet… Georg Baselitz

03.12.2007, 22.25, 3sat

„Der Kunstbetrieb ist abhängig vom Geldmarkt und eine hohe Wertschätzung hält die Kunstszene lebendig.“, sagt der Maler und Bildhauer Georg Baselitz, dessen Werke nicht nur Höchstpreise erzielen, sondern auch schon früh für Aufsehen sorgten. Seine erste Ausstellung 1963 endete wegen der mit sexueller Symbolik beladenen Arbeiten „Die große Nacht im Eimer“ und „Der nackte Mann“ mit einem Skandal: Die Bilder wurden beschlagnahmt. Und heute bekennt er, dass das damals ganz in seinem Sinne war.

1938 wurde er als Hans-Georg Kern, Sohn eines Lehrer-Ehepaares, in Deutschbaselitz in Sachsen geboren. Nach Kindheit, Schule und Abitur in seiner Oberlausitzer Heimat begann er 1956 ein Studium der Malerei an der Hochschule für bildende Künste in Ost-Berlin. Seine „gesellschaftspolitischeUnreife“ führte nach zwei Semestern zum Verweis von der Hochschule. 1957 setzte er sein Studium in West-Berlin an der Hochschule für bildende Künste fort und 1958 folgte dann der endgültige Umzug nach dort. Gleich nach dem Bau der Mauer im August 1961 nahm er den Künstlernamen Georg Baselitz an.

Seine frühen Bilder sind geprägt durch aggressive Expressivität, die Bildsprache und Motive sind grob. Mitte der 60er Jahre entstanden Frakturbilder mit zerstückelten und wieder zusammengesetzten Motiven. „Der Wald auf dem Kopf“ hieß Baselitz‘ erstes Bild in der Motiv-Umkehr. Sie lenkt den Fokus weg vom Inhalt, hin zum malerischen Ausdruck. Und unter dem Titel „Remix“ malte er, inzwischen in Museen und Privatsammlungen überall auf der Welt hängende Motive noch einmal.

Die Royal Academy of Arts in London ehrte den Künstler Ende 2007 mit einer Restrospektive. Und anlässlich seines 70. Geburtstages am 23. Januar zeigten die Hamburger Deichtorhallen bis zum 3. Februar 2008 erstmals in Deutschland die umfangreiche Serie der „Russenbilder“, die zwischen 1998 und 2002 entstanden sind. In den 60 Gemälden setzt sich Baselitz mit den Bildern des Sozialistischen Realismus in DDR-Schulbüchern auseinander, die ihn als Jugendlichen prägten.