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Gero von Boehm begegnet… Ferdinand von Schirach

02.08.2010, 22.25, 3sat

Die Verfahren des Strafverteidigers Ferdinand von Schirach erregen häufig Aufsehen.
Er vertrat den BND-Spion Norbert Juretzko und das SED-Politbüromitglied Günter Schabowski, aber auch einen Mann, der nach vierzig Ehejahren seine Frau mit der Axt erschlagen und zerlegt hat und den Arzt, in dessen Berliner Praxis zwei Menschen während einer Therapiesitzung nach der Einnahme von Drogen starben. „Ich verteidige einen Menschen, nicht seine Tat“, sagt von Schirach, wenn er wieder einmal gefragt wird, warum er einen bestimmten Fall übernommen hat. Gewalt bei Kindern will er allerdings nicht verteidigen.
Ferdinand von Schirach, Enkel des NS-Reichsjugendführers Baldur von Schirach, wurde 1964 in München geboren. Mit zehn Jahren kam er in das Jesuiteninternat St. Blasien, wo er bis zu seinem Abitur blieb. Nach dem Studium in Bonn und dem Referendariat ließ er sich 1994 als Rechtsanwalt in Berlin nieder.
Mit seinem literarischen Debüt kam von Schirach im vergangenen Jahr ebenfalls in die Schlagzeilen. „Verbrechen“, heißt der Erzählband, für den er mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet wurde. Elf Kurzgeschichten, die auf Fällen seiner Kanzlei basieren und mit denen er sofort auf den Bestsellerlisten stand. Die Rechte am Buch wurden in mehr als 25 Länder verkauft und die Filmrechte sind ebenfalls schon vergeben.
„Schuld“ ist der Titel seines neuen Buches, das im August 2010 erscheinen wird. Ferdinand von Schirach stellt weitere Fälle vor und die Frage nach Gut und Böse, Schuld und Unschuld und nach der moralischen Verantwortung jedes Einzelnen von uns.
Gero von Boehm trifft sich dem prominenten Strafverteidiger und Schriftsteller in Berlin.