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Gero von Boehm begegnet… Anne-Sophie Mutter

01.09.2008, 22.25, 3sat

Sie gilt als eine der begnadetsten Geigerinnen unserer Zeit. Anne-Sophie Mutter, das Geigenwunder, die Jahrhundertbegabung und ehemals Wunderkind kann auf eine mehr als dreißigjährige einmalige Karriere zurückblicken und feiert weiter beeindruckende Erfolge in der ganzen Welt.
In ihrer Familie ist sie die erste Musikerin. Zum fünften Geburtstag wünschte sich Anne-Sophie eine Geige, aber ihre Eltern schickten sie zunächst zum Klavierunterricht. Die Faszination der Geige blieb und Anne-Sophie Mutter begann kurz darauf mit dem Violinenspiel. Als sie ein halbes Jahr später David Oistrach die Brahms-Sonaten spielen hörte, wollte sie endgültig Geigensolistin werden. Mit sechs Jahren wurde sie Bundessiegerin „mit besonderer Auszeichnung“ des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ und erhielt im selben Wettbewerb zusammen mit ihrem Bruder Christoph den ersten Preis im vierhändigen Klavierspiel. Vom Schulunterricht befreit bekam sie, neben intensivem Geigenunterricht, dem täglichem Üben und einer umfassenden musikalischen Ausbildung, Privatunterricht bis zum Abitur und durfte sämtliche Prüfungen extern absolvieren.
Ein Auftritt bei den Internationalen Musikwochen in Luzern 1976 ebnete der damals Dreizehnjährigen den Weg zum Vorspielen beim großen Maestro Herbert von Karajan, der bis zu seinem Tod 1989 ihr wichtigster Mentor und Förderer war.
1977 hatte sie ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen und ein Jahr später an der Berliner Philharmonie. Durch stetig wachsende Konzertauftritte, nicht nur exklusiv mit Karajan, sondern zunehmend in aller Welt, durch ebenso stetig wachsende Schallplattenproduktionen und durch ihre Bereitschaft, über sich und ihre Arbeit öffentlich zu sprechen, machte Anne-Sophie Mutter immer mehr von sich reden.
Ein phänomenales Gedächtnis wird ihr ebenso bescheinigt wie eine hohe Konzentrationsfähigkeit und ein vorbildliches Durchhaltevermögen, ideale Voraussetzungen für eine Künstlerin, für das Musikgeschäft und für den Umgang mit den Medien.
Seit zwanzig Jahren setzt sich Anne-Sophie Mutter zur Förderung des Musiknachwuchses in Deutschland ein. 1989 gründete sie die „Rudolf-Eberle-Stiftung“, die junge Streicher europaweit unterstützt und 1997 den „Freundeskreis Anne-Sophie Mutter Stiftung e.V.“, der junge, hochbegabte Solisten der Fächer Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass fördert.
Neben zahlreichen Ehrungen war sie 2003 die erste Preisträgerin des „Herbert-von-Karajan-Preises“ und im April 2008 wurde sie als erste Frau mit dem internationalen „Ernst von Siemens Musikpreis“ ausgezeichnet.
Gero von Boehm begegnet der Geigerin zum Gespräch in der „Pinakothek der Moderne“ in München, an deren Wiederaufbau sich Anne-Sophie Mutter durch Benefizkonzerte beteiligt hat.