deutsch | english ]

Deutschland, deine Künstler: Claus Peymann

interscience film im Auftrag des SWR und rbb
28. Mai 2017, 23.35 Uhr, im Ersten

Kaum eine Persönlichkeit hat die deutschen Theaterbühnen so geprägt wie er: Claus Peymann, der sich gern mit Bertolt Brecht vergleicht und in den fünf Jahrzehnten seines Schaffens eine unvergleichliche Aura um sich geschaffen hat. Ästhet und Choleriker, Gestalter eher konservativer Inszenierungen und „Reißzahn im Arsch der Mächtigen“ (Peymann) – wie geht das zusammen? Der Film aus der Reihe „Deutschland, deine Künstler“ erzählt die bewegte Geschichte des letzten deutschen Theater-Giganten, der im Juni 2017 seinen 80. Geburtstag feiern und mit diesem Tag das Berliner Ensemble verlassen wird. Hinter ihm liegen ein reiches Theaterleben und viele begleitende Skandale. 1974, als Schauspieldirektor in Stuttgart, sammelt Peyman Spenden, um für die inhaftierte Terroristin Gudrun Ensslin Zahnersatz zu beschaffen. Und er macht in dem Albert-Camus-Stück „Die Gerechten“ eine Anspielung auf den Hochsicherheitsstadtteil Stammheim. In hunderten von Briefen wird er immer wieder als „Sympathisant“, „Mörderkomplize“, „Kommunistenschwein“ geschmäht.

Aber auch Klassiker bringt er als Regisseur regelmäßig auf die Bühne - in Bochum, wo er nach seinem „Rausschmiss“ aus Stuttgart das Theater leitet. Die Inszenierung von Kleists Hermannsschlacht 1982 wird auch heute noch als ein Höhepunkt des deutschen Theaterlebens nach dem Krieg gefeiert.

Den Olymp erreicht Peymann mit der Berufung als Direktor des Burgtheaters in Wien. Dort polarisiert er weiter. Die Presse fällt regelmäßig über  Inszenierungen wie „Heldenplatz“ von Thomas Bernhard her. Nach Wien kommt Berlin, wo er 1999 das legendäre Brecht-Theater „Berliner Ensemble“ übernimmt. Dort, gleich neben dem  Regierungsviertel, will er ein „Reißzahn im Arsch der Mächtigen“ sein. Was ist aus dieser Ambition geworden? Welche Bilanz zieht Peymann für sich selbst? Der Film begleitet den Intendanten und Regisseur durch alle Phasen seiner Abschiedsinszenierung „Der Prinz von Homburg“ von Heinrich von Kleist und nach Wien, der für ihn wohl wichtigsten Zeit an Europas wichtigster Bühne.

Langjährige Weggefährten geben Auskunft über die Zusammenarbeit mit dem Regisseur und Intendanten: Hermann Beil (Dramaturg und Darsteller), Jutta Ferbers (Dramaturgin und Lebensgefährtin Peymanns), Carmen Maia Antoni (Schauspielerin),  Sabin Tambrea (Hauptdarsteller „Prinz von Homburg“), Harald Schmidt und Peter Handke.