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Close Up: Gero von Boehm fragt Michael Ballhaus

interscience film im Auftrag von Servus TV
Wiederholung: 5. August 2018, 8.25 Uhr, Servus TV

Seinen letzten Film als Kameramann drehte er mit Martin Scorsese, das war sein Abschied vom Beruf. Davor stand Michael Ballhaus über fünfzig Jahre lang hinter der Kamera, drehte 38 Filme in den USA und kennt Hollywood und natürlich den deutschen Film in- und auswendig. Er hat mit Größen wie Francis Ford Coppola, Robert Redford, Volker Schlöndorff und Rainer Werner Fassbinder zusammen gearbeitet und ist doch immer bodenständig geblieben.

Gero von Boehm hat für „Close up“ Michael Ballhaus in seiner Wohnung in Berlin- Zehlendorf besucht und einen Künstler vorgefunden, der sich mit seinem langsamen Erblinden abgefunden hat und heiter aus einem erfüllten Leben berichtet.

Von Rainer Werner Fassbinder hat er sich nicht in dessen destruktive Gruppe hineinziehen lassen, ließ sich stoisch von ihm als „Fernsehheini“ beschimpfen und ertrug so manches aus Bewunderung für Fassbinders Kreativität. Für ihn entwickelte er den weltberühmten „Ballhaus-Kreis“, das Umfahren einer Szene mit der Kamera in einer 360 Grad-Bewegung.

Es folgten viele Jahre, in denen er mit allen namhaften deutschen Regisseuren arbeitete: Hans W. Geißendörfer, Margarethe von Trotta, Volker Schlöndorff und viele mehr. Viele Preise gewann er mit seiner Kunst, die Kamera zu führen. Er war auch immer als Dozent tätig und bildete Kameraleute aus – witzig sind seine Anekdoten aus der wilden 1968er Zeit.

Von einer Zusammenarbeit mit Martin Scorsese hatte der Deutsche schon lange geträumt, als tatsächlich der Anruf aus Hollywood kam. „Das war für mich, als wäre ein Wunder geschehen“, erinnert er sich. Als bewussten Abschied vom aktiven Leben als Kameramann sieht er die letzte Zusammenarbeit mit Scorsese für „The Departed – Unter Feinden“ (2006), da war der Grüne Star schon lange bei ihm ausgebrochen.

Ganz offen spricht er in „Close up“ über den Verlust des Augenlichtes oder den Tod seiner Ehefrau, mit der er 46 Jahre lang lebte. Nun bleiben ihm noch viele Bilder im Kopf und Erinnerungen an wunderbare Begegnungen, etwa mit Winona Ryder und Emma Thompson.