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Close Up: Gero von Boehm fragt August Diehl

interscience film im Auftrag von Servus TV
Wiederholung:
15. Juli 2018, 8.30 Uhr, Servus TV

August Diehl gilt als eines der größten Schauspieltalente seiner Generation. Noch während seiner Ausbildung an der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin gab er sein  Debüt als paranoider Computer-Hacker Karl Koch, der sich einer Weltverschwörung ausgesetzt sieht, in Hans-Christian Schmid’s Film „23 – Nichts ist so wie es scheint“.

Dass er Schauspieler werden wollte wusste er endgültig nach einer Schüleraufführung von „Die Räuber“, in der er den Franz Mohr spielte. Eine böse Figur, die für ihn wie ein Befreiungsschlag war. „Am nächsten Tag haben mich alle mit anderen Augen angesehen“, sagt er.

Die Vorliebe für extreme Charaktere hat er sich bewahrt:  Im Kinofilm  „Kalt ist der Abendhauch“ nach dem Buch von Ingrid Noll, spielt er die männliche Hauptrolle in einer zerstörerischen Liebesgeschichte. Zusammen mit Daniel Brühl ist er in „Was nützt die Liebe in Gedanken“ zu sehen, einer Verfilmung nach einer authentischen Schülertragödie von 1927. In Volker Schlöndorffs Drama „Der neunte Tag“, verkörpert er einen Gestapo-Chef, der einen Priester für die NS-Kirchenpolitik gewinnen will. Und in „Die Fälscher“ spielt er den KZ-Häftling Adolf Burger.

Als eine Art Spagat, den er halten möchte, bezeichnet er seine Leidenschaft für Film und Theater. Großen Erfolg hatte er schon 1998 an den Hamburger Kammerspielen unter der Regie von Peter Zadek mit der Hauptrolle als Robin in dem Sarah Kane-Stück „Gesäubert“. Zwei Jahre später holte ihn Luc Bondy für seine Tschechow-Inszenierung ans Burgtheater nach Wien. Und den „Don Karlos“ spielte er zwei Spielzeiten lang am Hamburger Schauspielhaus. Hier stand er zum ersten Mal zusammen mit seinem Vater Hans Diehl auf der Bühne.

Düsseldorf, Wien Hamburg oder Prien am Chiemsee, das Nomadenleben, das der Beruf seines Vaters als Schauspieler mit sich brachte, mochte August Diehl nicht. Die Jahre davor bis zur Schulzeit waren für den 1976 in Berlin Geborenen allerdings voller Abenteuer. Er lebte mit seiner Familie in Frankreich, in der Auvergne. In einem Haus ohne Strom, das nur zu Fuß zu erreichen war.

Im Jahr 2009 war er in Quentin Tarantinos „Inglorious Basterds“ zu sehen, 2010 in „Salt“ (Regie: Philip Noyce).?In Theatern in Berlin, Hamburg, Zürich oder Wien brillierte er in „Die Möwe“, „Don Carlos“, „Der Jude von Malta“ oder „Major Barbara“. Zu seinen Regisseuren gehörten Bondy, Grüber und der jüngst verstorbene Peter Zadek, mit dem er an drei Inszenierungen arbeitete.

Mit „Der Prinz von Homburg“ unter der Regie von Andrea Breth in Wien und Salzburg, kehrte er auf die große Theater-Bühne zurück und feierte die Premiere im Juli 2012 in Salzburg. Die anregende Theaterarbeit mit Andrea Breth fand mit „Hamlet“ am Wiener Burgtheater eine glanzvolle Fortsetzung in einer umjubelten 6stündigen Inszenierung.

Für Lars Kraumes „Die kommenden Tage“ stand August Diehl gemeinsam mit Daniel Brühl, Johanna Wokalek und Susanne Lothar vor der Kamera. Der Film startete 2010 in den deutschen Kinos. 2011 war er als Bernward Vesper für die Kinoproduktion „Wer wenn nicht wir“ von Andreas Veiel zu erleben. Für diese Rolle wurde er für den Deutschen Filmpreis nominiert. Im Jahr 2011 drehte Diehl „Bekenntnisse eines jungen Zeitgenossen“ gemeinsam mit Charlotte Gainsbourg und Pete Doherty, der auf den Filmfestspielen in Cannes 2012 in der Reihe „Un certain regard“ uraufgeführt wurde. Für Bille Augusts internationale Ko-Produktion „Nachtzug nach Lissabon stand er 2012 vor der Kamera.

Mit Gero von Boehm spricht der Ausnahme-Schauspieler August Diehl offen und ungeschminkt über seine große Karriere, über seine Ängste und Glücksmomente. Und darüber wie es ist, Angelina Jolie zu küssen.