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Bettina Rheims – Mein Leben

1. April 2006, 17.45 Uhr, ARTE

Eine Dokumentation von Gero von Boehm

„Chambre Close“ heißt der Bilderzyklus, der die Fotografin Bettina Rheims weltberühmt machte. Erotische Fotografien von Frauen, die in Pariser Hotelzimmern selbstbewusst vor einem imaginären Voyeur posieren. Rheims zeigt die Frauen in aufreizenden Posen, doch nie als Opfer männlicher Phantasien. Ihre Modelle strahlen immer Selbstbewusstsein aus – das Wissen um ihre eigene Attraktivität. Bettina Rheims hat ihre Kunst der Schönheit und den Frauen verschrieben. Sie nimmt gängige Klischees der Pin Up Fotografie auf und verwandelt sie in atmosphärische Portraits individueller Persönlichkeiten. Ihr Stil wurde millionenfach kopiert und sie selbst gilt als wichtigste Fotografin weiblicher Akte, ihre Bilder erscheinen in allen großen Magazinen und ihre Ausstellungen ziehen weltweit tausende Besucher an.

Bettina Rheims,1952 als Tochter des berühmten Kunstauktionators Maurice Rheims in Paris geboren, beginnt ihre Karriere als Fotomodell und Schauspielerin. Doch bald entdeckt sie ihre wahre Leidenschaft: die Fotographie. Schon als Kind hatte sie am liebsten mit ihren Barbiepuppen gespielt, sie verkleidet, geschminkt und in Szene gesetzt. Jetzt sucht sie sich ihre Modelle auf der Straße: Stripperinnen, Models oder Artistinnen und portraitiert sie. Mal obszön, mal unschuldig, doch immer offensichtlich inszeniert. „Ich fotografiere nicht das wirkliche Leben“ sagt Rheims „ Meine Arbeit muss zur Gänze Kunst sein“. Und ihr erster Mann, der Schriftsteller Serge Bramly, mit dem sie nach wie vor zusammenarbeitet, meint: „Mit ihren Bildern schreibt Bettina ihre Autobiographie.“ Ihre Bilderserie „INRI“ von 1999 löste einen weiteren Skandal aus. Sie zeigt Jesus in verschiedenen Szenen des neuen Testaments, dargestellt von stilisierten androgynen Männern und – was der eigentliche Skandal ist – von einer Frau, die als Teil eines Bildertryptichons nur mit einem Lendenschurz bekleidet am Kreuz hängt. Inzwischen reißen sich die Stars um ein Portrait von ihr. Ob Madonna, Charlotte Rampling, Catherine Deneuve oder Sharon Stone, sie alle wollen sich einmal mit den Augen von Bettina Rheims sehen. Sie entblößen sich voller Vertrauen vor ihr, denn sie glauben ihr, wenn sie sagt:„ Man kann seine Unterhose verlieren, aber nicht seine Würde. Trotz ihrer Prominenz sucht sich Rheims noch immer von Zeit zu Zeit ihre Modelle auf der Straße. Manchmal fasziniert sie ein Gesicht oder eine Geste eines Mädchens und sie spricht sie an. „Die Suche nach Magie“, nennt es Rheims.

Im April 2006 zeigte das Kunsthaus Wien eine große Retrospektive der Künstlerin. Von den schwarz-weiß Bildern ihrer Anfänge über ihre Hochglanz Werbefotografien bis hin zu ihren jüngsten Bildern aus der Reihe „Shanghai“. Die Ausstellung wanderte von dort aus weiter nach Düsseldorf, Brüssel, Rotterdam und Moskau. „Female Trouble“ und „More Trouble“ heißen bezeichnenderweise zwei ihrer Fotoreihen. In „ Bettina Rheims – mein Leben“ erzählt die Künstlerin, warum es ihr so viel Freude bereitet ein „Troublemaker“, wie sie sich selbst nennt, zu sein. Die sehr zurückgezogen lebende Mutter eines Sohnes gibt einen seltenen Einblick in ihr Privatleben. Zum ersten Mal öffnet sie die Türen zu ihrem Pariser Atelier, ihrem Heiligtum, das gespickt ist mit asiatischen Antiquitäten und afrikanischen Masken, und verrät ihre persönliche Auffassung von Schönheit. Wir besuchen gemeinsam mit ihr die große Retrospektive in Düsseldorf und bekommen Einblick in ihre jüngste Fotoreihe „Icônes“, die im März in Paris ausgestellt wird.

Eine Produktion der macroscope film.